Geschichten aus dem Waldgarten – Aufräumen? Ja. Aber nicht überall.

Geschichten aus dem Waldgarten – Aufräumen? Ja. Aber nicht überall.

Wenn im Herbst die Gartensaison langsam ruhiger wird, beginnt vielerorts das große Aufräumen. Beete werden abgeräumt, Stauden zurückgeschnitten, Äste entsorgt und alles möglichst ordentlich für den Winter vorbereitet.

Auch bei uns wird natürlich aufgeräumt.

Aber eben nicht überall.

Auf der wilden Seite unseres Gartens gibt es einige Bereiche, die ganz bewusst etwas unordentlicher bleiben dürfen. Nicht, weil wir keine Lust auf Gartenarbeit hätten, sondern weil genau solche Ecken für viele Tiere wertvoll sind.

Ein Sandarium für Wildbienen

Ein Sandarium sieht auf den ersten Blick vielleicht nicht besonders spektakulär aus. Im Grunde ist es eine offene, sandige Fläche.

Für viele bodennistende Wildbienenarten kann genau so ein Bereich aber sehr wichtig sein. Sie benötigen offene, möglichst unbewachsene Bodenstellen, in denen sie ihre Niströhren anlegen können.

Was für uns also zunächst nur wie eine etwas kahle Stelle aussieht, kann für Insekten ein kleiner, aber wertvoller Lebensraum sein.

Totholz ist alles andere als tot

Auch unser Totholzhaufen darf bleiben.

Alte Äste und Holzreste werden bei uns nicht automatisch entsorgt. Zwischen und im Holz finden Käfer, Spinnen und andere kleine Gartenbewohner Schutz, Nahrung und Rückzugsmöglichkeiten.

Und gerade darin steckt für uns ein wichtiger Gedanke:

Nicht alles, was seinen ursprünglichen Zweck verloren hat, ist automatisch nutzlos.

Ein abgestorbener Ast ist für uns vielleicht nur noch Holz. Für andere Bewohner des Gartens kann er Lebensraum sein.

Warum auch ein Steinhaufen bleiben darf

Ähnlich sieht es mit unserem Steinhaufen aus.

Zwischen den Steinen entstehen kleine Spalten, Hohlräume und geschützte Plätze. Steine speichern außerdem Wärme und schaffen dadurch ganz eigene kleine Lebensräume.

So ein Haufen muss also nicht unbedingt „weggeräumt“ werden.

Manchmal ist genau das Gegenteil sinnvoll.

Nicht jeder Stängel muss im Herbst fallen

Neben Sandarium, Totholz und Steinen lassen wir auch an einigen Stellen alte Stängel, Gräser und Pflanzenreste stehen.

Gerade im Herbst ist der Drang groß, alles zurückzuschneiden und möglichst sauber in den Winter zu schicken.

Aber viele Tiere nutzen vertrocknete Pflanzenreste als Schutz- oder Überwinterungsplatz.

Ein schönes Beispiel ist der Schwalbenschwanz. Er kann als Puppe an trockenen Pflanzenstängeln überwintern.

Wer im Herbst also alles bodennah abschneidet und entsorgt, räumt unter Umständen gleich den Winterplatz einiger Gartenbewohner mit weg.

Deshalb gilt bei uns: Manche Pflanzen dürfen einfach bis zum Frühjahr stehen bleiben.

Ein bisschen Ordnung, ein bisschen Wildnis

Natürlich bedeutet das nicht, dass unser kompletter Garten sich selbst überlassen wird.

Wir pflegen, schneiden, ernten und gestalten.

Aber auf der wilden Seite unseres Gartens darf es eben auch Bereiche geben, in denen wir ganz bewusst weniger eingreifen.

Denn unser Waldgarten soll nicht nur für uns funktionieren.

Er soll Nahrung liefern, Freude machen und gleichzeitig Lebensraum bieten.

Und manchmal bedeutet gute Gartenarbeit eben nicht, etwas zu tun.

Sondern bewusst etwas nicht zu tun.

Aufräumen? Ja. Aber eben nicht überall.

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